Geschichteter Barraquito im Glas mit Milchschaum, Zimt und Zitronenschale, daneben ein Löffel und ein Keks
i24Esther•13. Oktober 2026

Barraquito und Zaperoco: der kanarische Kaffee und was du an der Theke bestellst

Wer sich auf Teneriffa in ein Café setzt, sieht ihn früher oder später auf dem Nachbartisch: ein kleines Glas mit fünf Schichten, unten weiß, oben Milchschaum, obendrauf Zimt und Zitronenschale. Das ist der Barraquito, die bekannteste Kaffeespezialität der Inseln. In diesem Artikel zeigen wir dir, was drin ist, warum du unter seinem Namen je nach Insel etwas anderes bekommen kannst, woher der Name kommt und wo auf den Kanaren Kaffee wächst.

Wenn du nur das Wort neben anderen kanarischen Ausdrücken suchst, findest du es kurz zusammengefasst in unserem kanarischen Wörterbuch. Hier kommt die ganze Geschichte.

Was in einem Barraquito steckt

Die Basis ist der kanarische Cortado: Espresso, Kondensmilch und Milch. Dazu kommen ein wenig Likör, Zitronenschale und Zimt. Der Likör ist meistens Licor 43, manchmal Tía María. Licor 43 wird übrigens im spanischen Cartagena hergestellt, laut Hersteller aus 43 Zutaten nach einem geheimen Familienrezept.

Die Schichten entstehen, weil die Zutaten unterschiedlich dicht sind, und solange du nicht umrührst, bleiben sie getrennt. Turismo de Tenerife hat im Lauf der Jahre zwei Rezepte veröffentlicht, mit unterschiedlicher Reihenfolge. Nach dem einen kommt unten die Kondensmilch hinein, darauf der Licor 43, dann der Kaffee und zum Schluss Milch und Milchschaum, und so ergeben sich die fünf Farben. In einem früheren Rezept spricht dieselbe Quelle auch das Wesentliche aus: Keine zwei Barraquitos sind gleich. Viele Lokale haben ihre eigene Variante, den „barraquito especial de la casa“, mit anderen Gewürzen, Sahne oder einem anderen Likör.

Wenn du ihn bekommst, trink ihn nicht Schicht für Schicht, so hübsch er auch aussieht. Die Einheimischen drücken die Zitronenschale mit dem Teelöffel hinein und rühren bis zum Boden des Glases, bis sich die Kondensmilch auflöst und der Kaffee einfarbig ist.

So machst du ihn zu Hause

Laut dem Rezept von Turismo de Tenerife brauchst du dafür nur: Kondensmilch, Espresso, Licor 43, Milch, Zitronenschale und gemahlenen Zimt. Die Schritte:

  • Kondensmilch. Gib einen Fingerbreit Kondensmilch auf den Boden eines kleinen, schmalen Glases.

  • Kaffee und Likör. Gib den Kaffee mit einem Schuss Licor 43 dazu.

  • Milchschaum. Schäum die Milch auf und gieß sie darüber. In Cafés macht man das mit der Kaffeemaschine, zu Hause kannst du sie aufschlagen.

  • Zitronenschale. Leg ein Stückchen Zitronenschale darauf, ohne das Weiße, denn das ist bitter.

  • Zimt. Zum Schluss bestreust du alles mit gemahlenem Zimt.

Wenn du langsam eingießt, bleiben die Schichten getrennt: weiß die Milch, gelb der Likör, schwarz der Kaffee, braun der Zimt. Über die genaue Reihenfolge musst du nicht lange nachdenken, denn Turismo de Tenerife selbst hat im Lauf der Jahre zwei verschiedene veröffentlicht.

Gleiches Wort, anderer Kaffee: Insel für Insel

Jetzt kommt der Haken, vor dem kaum ein Reiseführer warnt. Das Wörterbuch der Kanarischen Sprachakademie (Academia Canaria de la Lengua) nennt für Barraquito zwei Bedeutungen:

  • Die erste Bedeutung gilt auf Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera und La Palma: ein Cortado ohne Likör, mit Milch und Kondensmilch, etwas länger als üblich.

  • Die zweite Bedeutung, der Kaffee mit Likör und Zitronenschale, nur auf Teneriffa und La Palma.

Auf Gran Canaria oder La Gomera bekommst du auf das Wort Barraquito also sehr wahrscheinlich einen Kaffee ohne Likör. Auch innerhalb Teneriffas gibt es Unterschiede: Laut Turismo de Tenerife ist der einfache Barraquito im Hauptstadtgebiet, in Santa Cruz und La Laguna, ohne Likör, und wenn du die Variante mit Likör möchtest, musst du einen „Barraquito especial“ oder einen „Zaperoco“ bestellen.

Barraquito, Zaperoco, Leche y leche: was du an der Theke bestellst

Kanarische Cafés sprechen ihre eigene Sprache. Diese Namen solltest du kennen:

  • Barraquito. Im Norden Teneriffas und auf La Palma meist die Variante mit Likör, anderswo kann er auch ohne kommen. Wenn du unsicher bist, sag dazu, welchen du willst.

  • Barraquito especial. Der eindeutige Name für die Variante mit Likör, im Hauptstadtgebiet bestellst du ihn so.

  • Barraquito sin licor oder natural. Ohne Likör. In Santa Cruz hörst du an der Theke alle drei: sin licor, natural und especial.

  • Zaperoco. Auf Teneriffa derselbe Kaffee mit Likör wie der Barraquito. Von Puerto de la Cruz bis Buenavista, im Norden der Insel, heißt er eher so, und vielerorts versteht man darunter eine reichhaltigere Variante, mit mehr Likör, manchmal mit Honig oder Schlagsahne.

  • Leche y leche. Kaffee mit Kondensmilch und normaler Milch, in einem schmalen, hohen Glas: Die beiden Milchsorten trennen sich teilweise, obenauf liegt der Milchschaum. Das ist der typische kanarische Cortado.

  • Café nunca mais. So bestellt man auf Lanzarote einen doppelten Kaffee.

Kurios: Das Wort Zaperoco bedeutet im kanarischen Wörterbuch auch „Durcheinander, Krach“, und im spanischsprachigen Amerika, von Venezuela bis Honduras, wird es im selben Sinn verwendet. Dass der Name des Kaffees daher kommt, behauptet keines der beiden Wörterbücher.

Woher der Name kommt: eine Legende in mehreren Versionen

Über die Geburt des Barraquito kennt jeder eine Geschichte, und die Quellen selbst nennen sie eine Legende. Turismo de Tenerife erzählt unter Berufung auf das Wörterbuch des Sprachwissenschaftlers Marcial Morera, dass ein Herr namens Sebastián Rubio, Spitzname Barraco, seinen Kaffee in einigen Bars der Hauptstadt immer so bestellte und der Kaffee nach ihm benannt wurde. Eine andere Quelle hält Barraco für seinen Nachnamen, und in einer Version heißt der Gast Juan.

Auch über den Ort ist man sich nicht einig. Am häufigsten fällt der Name der Bar Imperial in Santa Cruz, an der Ecke der Plaza de La Paz, die seit Anfang der 1950er-Jahre besteht und auf ihrer eigenen Website ebenfalls als Überlieferung, in der Form „man erzählt“, schreibt, dass der Barraquito bei ihr entstanden sei, einem Stammgast zuliebe, der als „El Barraco“ bekannt war. Andere Versionen nennen die Bar Los Paragüitas oder einen Kiosk in Hafennähe. Sicher ist nur, dass der Kaffee von Santa Cruz ausging und der Name einem Stammgast gehört.

Der Verwandte auf dem Festland: Café asiático

In Cartagena, wo Licor 43 hergestellt wird, gibt es einen sehr ähnlichen Kaffee, den Café asiático: Kondensmilch, Kaffee, Weinbrand, Licor 43, Kaffeebohnen, Zimt und geriebene Zitronenschale, geschichtet. Im Dezember 2021 benannte ein Teil der Baristas in Murcia den Café asiático für eine Weile in Barraquito um und spendete die Einnahmen den Betroffenen des Vulkanausbruchs auf La Palma.

Kaffee, der auf den Inseln wächst: Agaete

Nur wenige wissen, dass auf den Kanaren auch Kaffee wächst. Der Kaffee kam 1788 nach Teneriffa, als in La Orotava der Jardín de Aclimatación entstand, der heutige Botanische Garten von Puerto de la Cruz. Der Eintrag zum Botanischen Garten.

Zwischen 1930 und 1940 verschwanden die Pflanzungen nach und nach, und im Nordwesten Gran Canarias blieb nur ein kleines Gebiet übrig: Agaete, heute das Zentrum des kanarischen Kaffees: Jeder Schritt des „Café de Agaete“, vom Anbau bis zur Verarbeitung, findet im Tal selbst statt. Kleine Pflanzungen gibt es auch auf La Palma, Teneriffa, La Gomera und Lanzarote. Laut dem Gobierno de Canarias gewann der örtliche Kaffee 1889 auf der Pariser Weltausstellung eine Bronzemedaille. Am 6. April 2026 reichte der Erzeugerverband den Antrag auf die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) „Café de Agaete“ ein, die für die Sorte Arabica Typica in Anbauhöhen zwischen 150 und 550 Metern gilt. Der Antrag liegt bei der Europäischen Kommission, bis dahin genießt der Name einen vorläufigen nationalen Schutz, und laut Presse ist mit einer endgültigen Entscheidung nicht vor Mitte 2027 zu rechnen.

Im Tal von Agaete baut zum Beispiel die Finca La Laja Kaffee an. Der Eintrag zur Finca La Laja. Über die Fincas, Weingüter und lokalen Erzeugnisse der Inseln haben wir in unserem Ökotourismus-Artikel geschrieben: Ökotourismus auf den Kanaren.

Im Oktober sucht La Orotava den besten Barraquito

Vom 5. bis 31. Oktober veranstaltet das Ayuntamiento de La Orotava zum dritten Mal den gastronomischen Wettbewerb „Mi barraquito o tu zaperoco“. Laut dem offiziellen Café-Führer machen 18 Cafés aus dem Ort mit, jedes mit seiner eigenen Variante, und schon die Namen zeigen, wie frei das Genre ist: Es gibt einen Barraquito mit Gofio (im Breslau Café), einen „italienischen“ Barraquito mit Pistazie (bei Capricho Dulce & Salado) und die Hälfte der 18 Getränke sind Zaperocos. Abgestimmt wird im Café, mit dem QR-Code aus dem Führer: Die Veranstalter bitten darum, dass du vor Ort abstimmst, damit dein Besuch zählt. Unter allen, die abstimmen, wird eine Nacht für zwei Personen mit Frühstück im Parador del Parque Nacional del Teide verlost. Bei der letzten Ausgabe gingen mehr als 1800 Stimmen ein. Wenn du Gluten nicht verträgst, sei bei der Gofio-Variante vorsichtig: Gofio wird auch aus Weizen und aus Mais hergestellt, also frag nach, woraus er gemacht ist. Über glutenfreie Möglichkeiten auf Teneriffa haben wir hier geschrieben: Glutenfrei essen auf Teneriffa. Der Wettbewerb in unserem Veranstaltungskalender.

Wenn du für einen Regennachmittag noch Programm suchst, empfehlen wir dir neben den Cafés diesen Artikel: Teneriffa bei Regen: was tun. Cafés auf Teneriffa findest du in unserer Café-Liste, und über die kanarische Küche haben wir hier geschrieben: Kanarische Küche: was essen auf Teneriffa.


Quellen: Academia Canaria de la Lengua, Wörterbuch (barraquito, zaperoco); ASALE, Diccionario de americanismos (zaperoco); Blog von Turismo de Tenerife (2013 und 2019); Diario de Avisos; eldiario.es; Atlántico Hoy; RTVC; Marca Canaria; Guanchipedia; El Día; Food & Wine; Bar Imperial (barimperial.net); Licor 43 (licor43.com); Wikipedia (Barraquito); Hola Islas Canarias (Kaffee aus Agaete); Pressemitteilungen des Gobierno de Canarias; BOE (20. Mai 2026); Infobae; Ayuntamiento de La Orotava (laorotava.es) und der offizielle Café-Führer der III. Ausgabe von „Mi barraquito o tu zaperoco“.

Titelbild (zugeschnitten): Barraquito, Teneriffa. Jürgen Lindert, CC BY-SA 3.0 de, über Wikimedia Commons.

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