Der Bogen der Milchstraße am Sternenhimmel, darunter die Kuppeln des Teide-Observatoriums auf einem dunklen Bergrücken auf Teneriffa
i24Esther•5. November 2026

Leoniden und Geminiden 2026: Sternschnuppen im November und Dezember über den Kanaren

Das Jahresende bringt zwei Meteorströme an den kanarischen Himmel, und 2026 steht der Mond bei beiden günstig. Die Leoniden erreichen ihr Maximum in der Nacht vom 17. auf den 18. November, die Geminiden, der stärkste Strom des Jahres, in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember, und auch die Nacht danach ist noch stark.

Heute Abend, am 5. November, sind außerdem die Südlichen Tauriden auf ihrem Höhepunkt: wenige, aber langsame und oft helle Meteore, bei mondlosem Himmel.

Alle Uhrzeiten in diesem Artikel sind kanarische Zeit. Seit dem 25. Oktober gilt auf den Inseln wieder die Winterzeit, die hier mit der Weltzeit (UTC) übereinstimmt und eine Stunde hinter der Zeit auf dem spanischen Festland liegt. Wenn eine spanische Quelle Festlandzeit angibt und dort 0:45 steht, ist das hier 23:45.

Auf welcher Insel und von welchem Aussichtspunkt du am besten schaust, haben wir in unserem Guide zum Sternegucken zusammengestellt. Hier geht es um das Wie und das Wann.

Die drei Ströme auf einen Blick

  • Tauriden (südlicher und nördlicher Zweig): Der südliche Zweig ist vom 20. September bis 20. November aktiv, sein Maximum ist am 5. November, mit 5 bis 10 Meteoren pro Stunde (ZHR). Der nördliche Zweig ist vom 20. Oktober bis 10. Dezember aktiv, sein Maximum ist am 12. November, ZHR 5. Neumond ist am 9. November um 07:02 Uhr.

  • Leoniden: aktiv vom 6. bis 30. November. Das Maximum ist am 17. November um 23:45 Uhr, die erwartete ZHR liegt bei etwa 15. Der Mond hat dann das erste Viertel hinter sich und geht in der Gegend des Teide um 01:10 Uhr unter.

  • Geminiden: aktiv vom 4. bis 20. Dezember. Das Maximum ist am 14. Dezember um 14:00 Uhr, also tagsüber, ZHR 150. Die schmale, zunehmende Mondsichel geht am 13. Dezember um 22:08 Uhr und am 14. um 23:02 Uhr unter.

Die Daten haben wir dem Meteorstrom-Kalender 2026 der Internationalen Meteororganisation (IMO) entnommen, die genauen Uhrzeiten und die Mondphasen den Astronomie-Seiten des spanischen Geographischen Instituts (IGN). Auf- und Untergang des Mondes für die Gegend des Teide stammen aus den Daten des US Naval Observatory (USNO); auf anderen Inseln können sie um ein paar Minuten abweichen.

Woher die Sternschnuppen kommen

Eine Sternschnuppe ist kein Stern. Ein winziges Teilchen, ein Meteoroid, schlägt mit hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre ein, verdampft beim Zusammenstoß mit den Luftmolekülen, und sein Leuchten ist für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Die meisten Meteore, die du mit bloßem Auge siehst, stammen von Bröckchen mit ein paar Millimetern oder Zentimetern Größe, und sie verglühen in etwa 100 Kilometern Höhe.

Ein Meteorstrom entsteht, wenn die Erde die Staubspur eines Kometen durchquert. Der Komet hinterlässt bei jedem Sonnendurchgang Staub und Trümmer auf seiner Bahn, und wir kreuzen diese Spur jedes Jahr zur selben Zeit. Die Meteore eines Stroms scheinen deshalb von einem Punkt auszugehen: Das ist der Radiant, und der Strom ist nach dem Sternbild benannt, in dem dieser Punkt liegt.

  • Die Leoniden scheinen aus dem Sternbild Löwe zu kommen und sind Bruchstücke des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Der Komet wurde 1865 entdeckt, umrundet die Sonne alle 33,2 Jahre, und etwa alle 33 Jahre, wenn er der Sonne am nächsten ist, sorgen die Leoniden für einen Meteorsturm mit Tausenden Meteoren pro Stunde. So war es in der Nacht des 13. November 1833, und der letzte Sturm war 2002. Den nächsten Sonnendurchgang hat der Komet am 20. Mai 2031. Für 2026 wird kein Ausbruch erwartet: Nach Modellrechnungen trifft die Erde auch in diesem Jahr auf einige Staubspuren, aber die sind dünn, und es sind zu wenige Teilchen darin für einen nennenswerten Ausbruch.

  • Die Geminiden kommen aus dem Sternbild Zwillinge und sind eine Ausnahme: Die Geminiden stammen nicht von einem Kometen, sondern von einem Asteroiden, Phaethon. Woher sie kommen, war jahrhundertelang ein Rätsel, bis 1983 das Infrarot-Weltraumteleskop IRAS der NASA den Asteroiden fand. Phaethon ist 5 bis 6 Kilometer groß, kommt alle 523 Tage der Sonne am nächsten, und nach Ansicht von Astronomen könnte er ein erloschener Komet sein. Seine Bahn ist genau bekannt: In den nächsten Jahrhunderten besteht keine Kollisionsgefahr.

  • Die Tauriden gehen mit ihren beiden Zweigen auf den Kometen 2P/Encke zurück.

Was die Zahl pro Stunde bedeutet und wie viel du wirklich siehst

In Meldungen über Meteorströme steht fast immer eine Zahl: 15 pro Stunde, 150 pro Stunde. Das ist die ZHR, die zenitale stündliche Rate, und sie bedeutet nicht das, was du zuerst denkst. Nach der Definition der IMO ist sie ein berechnetes Maximum: So viele Meteore würde ein idealer Beobachter bei völlig klarem, sehr dunklem Himmel sehen, wenn der Radiant direkt über ihm stünde.

Weil die Zahl ein Maximum unter idealen Bedingungen ist, siehst du in Wirklichkeit weniger. Laut NASA liegt die Rate der Leoniden oft nur bei etwa 3 pro Stunde, obwohl sie zu den großen Strömen zählen. Die Geminiden sind großzügiger: Die NASA rechnet unter perfekten Bedingungen mit 120 Meteoren pro Stunde, das IGN schreibt von einer Aktivität von über 120 pro Stunde, mehrere Tage lang.

Die Zahl zeigt also, wie stark die Ströme im Vergleich zueinander sind, nicht, wie deine Nacht wird. Wenn die Geminiden 150 bekommen und die Leoniden 15, verspricht die Dezembernacht deutlich mehr.

Leoniden: in der Nacht vom 17. auf den 18. November

Das Maximum ist am 17. November um 23:45 Uhr, die erwartete ZHR liegt bei etwa 15, und laut IGN bringt der Strom normalerweise 10 bis 20 Meteore pro Stunde. Für die Breite des Festlands (40 Grad) schreibt das IGN, dass der Radiant von Mitternacht bis zum Morgengrauen über dem Horizont steht, und auch die NASA empfiehlt, ab Mitternacht Ortszeit zu schauen.

Der Mond erreicht das erste Viertel am Vormittag des 17. November und steht an diesem Abend noch am Himmel. In der Gegend des Teide geht er am 18. November um 01:10 Uhr unter. Danach ist der Himmel bis zur Morgendämmerung, die gegen 07:06 Uhr beginnt, dunkel, und das ist das beste Fenster der Nacht: Der Radiant steht dann schon über dem Horizont, und der Mond stört nicht mehr.

Die Leoniden gehören zu den schnellsten Meteoren: Mit 71 Kilometern pro Sekunde schlagen sie in die Atmosphäre ein. Die Meteore sind hell, können auch farbig sein, und laut NASA ist der Strom für seine Feuerkugeln bekannt und für Meteore, die nah am Horizont entlangziehen und lange, farbige Schweife haben. Laut IGN sind die Leoniden launischer, können aber so spektakulär sein wie die Perseiden im August.

Geminiden: vom 13. auf den 14. Dezember und in der Nacht danach

Laut IMO sind die Geminiden der beste und verlässlichste der großen jährlichen Ströme, die derzeit zu beobachten sind, mit einer ZHR von 150 im Maximum. In diesem Jahr erreichen sie den Höhepunkt am 14. Dezember um 14:00 Uhr, nach kanarischer Zeit am helllichten Tag. Das macht nichts, denn das Maximum ist breit: Laut IMO liegt die Rate etwa 10 bis 12 Stunden lang über 100, und die zuverlässigen Maxima der vergangenen zwei Jahrzehnte fallen, auf 2026 umgerechnet, in die Zeit zwischen dem 13. Dezember um 21:00 Uhr und dem 14. Dezember um 18:00 Uhr. Laut IGN werden auch die Nacht davor und die Nacht danach stark sein.

Am besten ist also die Nacht vom 13. auf den 14. Dezember, und als Reserve bleibt die Nacht vom 14. auf den 15.

Der Mond hilft in diesem Jahr. Am 9. Dezember ist Neumond, zum Höhepunkt ist eine schmale, zunehmende Sichel von etwa 20 Prozent zu sehen, und sie geht früh unter: in der Gegend des Teide am 13. Dezember um 22:08 Uhr, am 14. um 23:02 Uhr. Danach ist der Himmel bis zum Morgen mondlos.

Weit nördlich des Äquators, also auch bei uns, geht der Radiant der Geminiden schon um den Sonnenuntergang auf und steht abends bereits recht hoch. Laut NASA ist dieser Strom eine der besten Gelegenheiten für Kinder, weil er schon gegen 21 bis 22 Uhr losgeht. Der Radiant kulminiert gegen 2 Uhr Ortszeit und steht dann am höchsten.

Die Geminiden kommen mit 35 Kilometern pro Sekunde an, und laut IAC sind sie heller, zahlreicher und langsamer als die Perseiden im August, deshalb kannst du ihnen länger mit den Augen folgen. Oft sind sie gelblich oder grünlich. Laut IMO gibt es gegen Ende des Maximums mehr helle Meteore, und der Strom ist auch für seine Feuerkugeln bekannt.

Heute Abend die Tauriden: wenige, aber langsame und helle Meteore

Die Tauriden sind nicht für ihre Menge berühmt. Beide Zweige bringen nur ein paar Meteore pro Stunde, aber laut IMO sind viele davon hell und relativ langsam: ein gutes Übungsfeld für Einsteiger, und auch zum Fotografieren gut geeignet.

Das Maximum des südlichen Zweigs ist heute, am 5. November, das des nördlichen am 12. November. Der Mond ist bei beiden Höhepunkten weit von Vollmond entfernt: Heute Abend geht die abnehmende Sichel mit 14 Prozent erst um 03:43 Uhr morgens auf, und am 12. November geht die schmale, zunehmende Sichel schon um 20:33 Uhr unter. Wegen des Neumonds am 9. November sind laut IMO die Tage zwischen den beiden Maxima am ungestörtesten.

So schaust du: mit bloßem Auge, im Liegen, mit Geduld

  • Du brauchst kein Teleskop. Das IAC und das IGN sagen es beide: Teleskop und Fernglas brauchst du nicht, sie sind sogar nicht zu empfehlen, weil sie das Blickfeld einengen. Einen Meteorstrom schaust du mit bloßem Auge.

  • Ein dunkler Ort mit wenig Hindernissen. Such dir einen Platz, der so weit wie möglich von Lichtverschmutzung entfernt ist, auf dem Land oder auf den Gipfeln, und wo dir kein Gebäude, Baum oder Berg den Himmel verdeckt.

  • Schau nicht auf den Radianten. Die Meteore können überall am Himmel auftauchen. Laut NASA wirken sie weiter weg vom Radianten länger und eindrucksvoller, in seiner Richtung kurz. Schau auf den dunkelsten Teil des Himmels, und wenn der Mond am Himmel steht, dreh ihm den Rücken zu.

  • Leg dich hin. Laut IGN ist es am bequemsten, sich hinzulegen und zu warten, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Die NASA empfiehlt Schlafsack, Decke oder Campingstuhl und einen möglichst großen Ausschnitt des Himmels.

  • Gib deinen Augen Zeit. Laut NASA brauchen sie etwa 30 Minuten im Dunkeln, dann haben sie sich angepasst. Warum du in der Zeit nicht aufs Handy schauen solltest, haben wir in unserem Artikel über den Herbsthimmel erklärt.

  • Zieh dich winterlich an. Die NASA rät bei beiden Strömen, sich auf Wintertemperaturen einzustellen, das IAC empfiehlt eine Jacke.

  • Sei geduldig. Laut NASA dauert das Schauspiel bis zum Morgengrauen, du hast also reichlich Zeit, eine zu erwischen.

Der kanarische Himmel ist sogar gesetzlich geschützt: Ein Gesetz von 1988 (Ley 31/1988) schreibt vor, dass Außenbeleuchtung kein Licht über den Horizont abstrahlen und die astronomische Beobachtung so wenig wie möglich stören darf.

Wenn du auf den Teide oder zum Roque de los Muchachos willst

Für den dunkelsten Himmel fahren viele auf die Gipfel, auf Teneriffa in den Teide-Nationalpark, auf La Palma zum Aussichtspunkt am Roque de los Muchachos in Garafía. Wegen Schnee und Eis werden diese Straßen manchmal gesperrt, auf La Palma zum Beispiel auch bei einem Schneefall Ende Dezember.

  • Teneriffa: Der Cabildo (die Inselregierung) sperrte im März 2026 die TF-24 und die TF-21 über Nacht wegen Eis und Schnee und öffnete sie nach der Räumung wieder. In solchen Fällen musst du vor allem in den frühen Morgenstunden mit Eisplatten rechnen. Der Cabildo bittet darum, vor der Abfahrt den Zustand der Straßen und die Wettervorhersage zu prüfen: Die aktuelle Verkehrslage siehst du in Echtzeit auf der Seite des Centro de Información de Carreteras. Wenn der Teide auf dem Plan steht, lies auch unseren Artikel über Genehmigung und Seilbahn.

  • La Palma: Am 23. Dezember 2024 sperrte der Cabildo de La Palma auf Empfehlung der Guardia Civil wegen Schnee die Straße LP-4 zum Roque de los Muchachos und auch das Besucherzentrum. Aktuelle Sperrungen findest du in den Mitteilungen des Cabildo de La Palma. Auf der Insel gibt es auch ausgeschilderte astronomische Aussichtspunkte, zum Beispiel den Llano del Jable in El Paso oder den Aussichtspunkt am Vulkan San Antonio in Fuencaliente. Für den Rest von La Palma hilft dir unser Insel-Guide.

  • Gran Canaria und Fuerteventura: der Aussichtspunkt Pico de las Nieves in Tejeda, der astronomische Aussichtspunkt Sicasumbre in Pájara. Alle Sternwarten der Inseln findest du auch an einer Stelle.

Kurz gesagt

  • Tauriden: heute, am 5. November, und am 12. November; wenige, langsame, helle Meteore, mondloser Abend.

  • Leoniden: in der Nacht vom 17. auf den 18. November; am besten vom Monduntergang um 01:10 Uhr bis zum Morgengrauen; ZHR etwa 15.

  • Geminiden: in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember, Reserve vom 14. auf den 15.; der Mond geht um 22:08 Uhr beziehungsweise um 23:02 Uhr unter; ZHR 150.

  • Alle Zeiten sind kanarische Zeit, von der Festlandzeit spanischer Quellen ziehst du eine Stunde ab.

  • Bloßes Auge, ein Liegeplatz, warme Kleidung, 30 Minuten für die Augen, und nicht auf den Radianten schauen.

  • Wenn du auf die Gipfel fährst: Prüf vorher die Straßen, im Winter können sie wegen Schnee und Eis gesperrt sein.


Quellen: International Meteor Organization (IMO), 2026 Meteor Shower Calendar (Hrsg. Jürgen Rendtel); Instituto Geográfico Nacional (IGN), Leónidas, Gemínidas, Lluvias de meteoros, Agenda Astronómica 2026 und La hora oficial en España; Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC), Las Gemínidas (2025); NASA Science, Leonids und Geminids; U.S. Naval Observatory, Astronomical Applications (Mond- und Sonnendaten); Ley 31/1988 sobre Protección de la Calidad Astronómica de los Observatorios del IAC (BOE); Cabildo de Tenerife (2026-03-02, Carreteras); Cabildo de La Palma (2024-12-23).

Titelbild (zugeschnitten): die Milchstraße über dem Teide-Observatorium, Teneriffa. Curd-Christian Tengeler/IAU OAE, CC BY 4.0, über Wikimedia Commons.

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