
Das Festivaljahr auf den Kanaren: wann was spielt
An diesem Wochenende feiern auf Teneriffa vier Dörfer gleichzeitig. In Las Portelas wird am Freitagabend die Eröffnungsrede gehalten, danach zieht der Ankündigungsumzug los. In La Culata gibt es am Samstag Messe und Prozession und anschließend Tanz bis zum Morgengrauen. In Adeje ehrt das Viertel La Hoya die Virgen de la Milagrosa, und in Santa Cruz feiert das Viertel Salamanca - Uruguay sein Patronatsfest.
Und zur selben Zeit, an genau diesem Wochenende, werden in Los Silos die Lautsprecher für das Isla Baja Salsa Fest aufgebaut.
Beides geschieht gleichzeitig, wenige Kilometer voneinander entfernt, und ist doch nicht dasselbe. Wer einen kanarischen Sommer plant, sollte diesen Unterschied zuerst verstehen.
Dorffest oder Festival: zwei Kalender, zwei Publikumsgruppen
Das Dorffest organisieren die Nachbarn. Es gibt ein Komitee, das jedes Jahr an das nächste übergeben wird, es gibt einen Schutzpatron, und es gibt ein Programm, das seit Jahrzehnten nahezu unverändert abläuft: Messe, Prozession, Folklore, gemeinsames Essen, abends Tanz. Kein Ticket, keine Reservierung, meist nicht einmal eine Website. Das ausführliche Programm veröffentlicht die Gemeinde oder das Komitee zwei bis vier Wochen vorher, oft nur auf einem Plakat.
Ein Festival funktioniert anders. Es hat einen eigenen Namen, ein eigenes Erscheinungsbild, einen Ticketverkauf, und die Künstler werden Monate im Voraus angekündigt. Man reist hin, man stolpert nicht hinein. Häufig findet es auf großem Gelände statt, in einem Stadion oder auf einer Hafenesplanade, und eine Unterkunft in der Nähe sollte man früh buchen.
Beides ist kanarisch, beides ist echt. Nur findet man das eine zufällig, während man für das andere planen muss.
Eines sei klar gesagt: Dieser Artikel handelt von Festivals. Über die traditionellen Feste, die Romerías und die Patronatsfeste haben wir gesondert geschrieben, und dort gehen wir in die Tiefe.
Der Rhythmus des Jahres: voller Sommer, stiller Winter
In der Agenda von islas24 stehen derzeit 125 Veranstaltungen vom Typ Festival, verteilt über die acht Inseln. Ihre Verteilung nach Monaten zeichnet die Saison von selbst nach:
Juli: 10 Veranstaltungen
August: 57 Veranstaltungen
September: 30 Veranstaltungen
Oktober: 24 Veranstaltungen
November: 1 Veranstaltung
Dezember: 1 Veranstaltung
Diese Zahlen beschreiben unseren Kalender, nicht das gesamte Angebot der Inseln. Die Tendenz ist dennoch deutlich und deckt sich mit dem, was man vor Ort erlebt: Das kanarische Festivaljahr beginnt im Sommer, erreicht im Herbst seinen Höhepunkt und verstummt im Winter fast völlig.
Dieser Unterschied zwischen Winter und Sommer ist ein wichtiger Planungspunkt. Auf den Inseln hat es auch im Dezember zwanzig Grad, für einen Urlaub eignet sich der Winter also genauso gut. Für Konzerte allerdings nicht: Im Januar und Februar sucht man die großen Namen vergeblich, weil der Kalender auf den Karneval umschaltet.
Sommer: die Monate der großen Namen
Im Juli fahren die großen Bühnen hoch. Das GranCa Live Fest dauert zwei Tage im Stadion von Gran Canaria und ist jenes Festival, zu dem internationale Künstler kommen. Im selben Monat finden das Cook Music Fest auf der Hafenesplanade von Santa Cruz de Tenerife, das Lava Live Fest auf Lanzarote und zum Monatsende das Marea Festival in Candelaria direkt am Strand statt.
Der August ist der dichteste Monat, und dann kommen auch die kleineren Inseln mit ihrem eigenen Programm. Auf El Hierro spielt das Hierrock auf der Plaza von Echedo, auf La Gomera das Salitre y Son in Valle Gran Rey, auf La Palma das Vilus Festival im Stadion von Los Llanos. Auf Teneriffa gibt es die zwei Tage des Reggae Can in Punta del Hidalgo und das Arafo Urban Fest, das den Dorfplatz für einen Abend in eine Hip-Hop-Bühne verwandelt.
Herbst: hier ist das Angebot am stärksten
Viele überrascht es, doch die besten Festivalmonate kommen im September und Oktober, wenn die Sommermenge längst wieder zu Hause ist.
Im September gibt es das PHE Festival in Puerto de la Cruz, das Festival Boreal in Los Silos, das LPA BMusic in Las Palmas, das Noventate auf La Palma und das Herofest auf El Hierro, dessen einer Tag an den Naturbecken von La Maceta stattfindet.
Im Oktober folgen das Gran Canaria Sum Festival, das Fleje de Flow in Las Palmas und Masdanza, das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz der Inseln, das in diesem Jahr seine einunddreißigste Ausgabe erlebt. Im selben Monat findet die Eólica in Granadilla de Abona statt, auf dem Gelände des Instituts für erneuerbare Energien, wohl das kanarische Festival mit dem ungewöhnlichsten Schauplatz überhaupt: Die Musik spielt unter Windrädern.
Winter: der Kalender wechselt das Register
Im November und Dezember dünnt das Festivalangebot aus. Das Gewicht verlagert sich dann auf Konzertsäle und traditionelle Feste: Im November steht das Fest des neuen Weins an, im Dezember das Weihnachtsprogramm, und im Februar kommt der Karneval, der auf diesen Inseln eine eigene Jahreszeit ist.
Vier Festivals, die über die Inseln wandern
Es gibt ein Muster, das erst auffällt, wenn man den Kalender als Ganzes betrachtet: Manche kanarischen Festivals finden nicht an einem Ort statt, sondern wandern über die Inseln.
Das Festival Noon taucht in unserem Kalender auf vier Inseln auf, von Ende August bis Mitte Oktober, mit den meisten Stationen auf La Gomera. Das Reislas kommt zwischen September und Oktober auf fünf Inseln vorbei, von Teneriffa bis Fuerteventura. Das Canarias Jazz bereist von Juli bis Oktober drei Inseln, das Tensamba zwei.
Das ist nützlich, weil es die Planung umdreht. Man muss für ein Festival nicht auf eine andere Insel reisen: Es genügt zu schauen, wann es auf die Insel kommt, auf der man ohnehin sein wird.
Was man für die Planung wissen sollte
Tickets. Für die großen Sommerfestivals und für Veranstaltungen mit internationalen Künstlern kauft man das Ticket besser Monate im Voraus. Der Großteil der kleineren, von den Gemeinden organisierten Festivals ist dagegen kostenlos, und dort gibt es nichts zu reservieren.
Unterkunft. Das ist der Engpass, nicht das Ticket. Rund um ein Stadionkonzert oder ein großes Festival sind die Betten schneller ausgebucht, als die Tickets ausverkauft sind. Steht das Datum fest, fang mit dem Zimmer an.
Das ausführliche Programm kommt spät. Das ist ein fester Zug der kanarischen Festkultur und keine Unorganisiertheit: Das Tagesprogramm geben Gemeinden und Komitees zwei bis vier Wochen vor der Veranstaltung heraus. Wer drei Monate vorher sucht, findet oft nur den Zeitraum, nicht die Uhrzeiten.
Im Sommer eher in den Norden als in den Süden. Ein guter Teil der Sommerfestivals findet auf der Nordseite der Inseln und auf den kleineren Inseln statt, nicht in den Touristenzentren. Das ist die beste Nachricht dieses Artikels: Es sind die Orte, an denen das Programm für die Menschen vor Ort gemacht ist und der Besucher Gast statt Zielgruppe.
Schau nicht nur auf die Festivals. Steht an einem Wochenende kein großer Name auf der Bühne, gibt es fast sicher ein Fest in einem der Dörfer in der Nähe. Genau dieses Wochenende zeigt es: Auf Teneriffa feiern vier Dörfer gleichzeitig, und in jedes davon kann man hineinspazieren.
Wo man nachsieht, was gerade läuft
Die Programme lassen sich in unserer Agenda nach Datum und Insel durchsuchen und werden aktualisiert, sobald die Gemeinden die Einzelheiten veröffentlichen. Offizielle Quelle ist immer die Seite des Veranstalters oder der Gemeinde, und die größeren Festivals haben zusätzlich eine eigene Website und einen eigenen Ticketverkauf.
Wenn du aus diesem Artikel eines mitnimmst: Das kanarische Festivaljahr ist im September und Oktober am besten, und genau dann ist das Reisen am günstigsten.
Foto: WOMAD, Las Palmas de Gran Canaria, 2010. El Coleccionista de Instantes Fotografía & Video, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons.

