
Zelten auf den Kanaren: wie die Genehmigung funktioniert, Insel für Insel
Es gibt zwei verbreitete Annahmen dazu, und beide sind falsch.
Die erste: Auf den Kanaren darf man nicht zelten. Die zweite: Man darf zelten, wo man will, weil man ja in der Natur ist.
Tatsächlich gibt es ein Netz ausgewiesener Zeltplätze, betrieben von den Inselräten, innerhalb geschützter Naturräume. Sie sind kostenlos. Und sie brauchen eine vorherige Genehmigung, die online beantragt wird und Fristen hat.
Dieses eine Verfahren zu verstehen, ist der ganze Unterschied zwischen einer großartigen Nacht und einem Bußgeld.
Nicht illegal, aber auch nicht frei
Die entscheidende Unterscheidung ist nicht, ob man zelten darf. Sondern wo.
Geschützte Naturräume nehmen einen sehr großen Teil dieser Inseln ein, und wildes Zelten ist darin nicht erlaubt. Die ausgewiesenen Zeltplätze sind die geordnete Ausnahme von dieser Regel: markierte, ausgestattete Flächen, auf denen du tatsächlich im Zelt oder im ausgebauten Fahrzeug übernachten darfst, sofern du vorher gefragt hast.
Anders gesagt: Die Genehmigung ist keine bürokratische Maut. Sie ist das, was dein Vorhaben legal macht.
So funktioniert die Genehmigung: sieben Tage und ein Antragsfenster
Drei Dinge, die man wissen sollte, bevor man die Seite des Inselrats öffnet.
Die Höchstdauer beträgt sieben aufeinanderfolgende Tage. Das steht in der offiziellen Information des Cabildo de Tenerife und ist der übliche Rahmen. Keine Empfehlung, sondern die Grenze der Genehmigung.
Es ist kostenlos. Für den Stellplatz zahlst du nichts. Was du zahlst, ist allenfalls das Benzin, denn viele dieser Plätze liegen weit oben und weit draußen.
Für den Antrag gibt es ein Fenster, und es hat zwei Ränder. Monate im Voraus geht nicht, und am Vorabend auch nicht. Im System des Cabildo de Tenerife gilt ein Maximum von etwa einundzwanzig Tagen vorher und ein Minimum von etwa sieben Tagen vor dem Datum. Prüfe die genauen Fristen am Tag des Antrags auf der Seite des jeweiligen Platzes, denn diese Zahlen setzt der Inselrat fest und kann sie anpassen.
Dieses Fenster ist der häufigste Grund, warum es schiefgeht. Man beschließt am Donnerstag, am Samstag im Gebirge zu übernachten, und dann ist es schon zu spät.
Insel für Insel: wo der Antrag läuft
Jeder Inselrat hat sein eigenes System, und genau das verwirrt am meisten. Eine einheitliche Website für den ganzen Archipel gibt es nicht.
Teneriffa: Die offizielle Seite der Zeltplätze des Cabildo unter tenerife.es/zonas-de-acampada ist der Ausgangspunkt. Von dort geht es weiter zur elektronischen Verwaltung und zum Buchungsportal.
Gran Canaria: Der Antrag liegt direkt in der elektronischen Verwaltung des Cabildo unter sede.grancanaria.com, im Verfahren für Zeltgenehmigungen.
La Palma, La Gomera, El Hierro, Fuerteventura, Lanzarote: Jeder Inselrat veröffentlicht seine Plätze und sein Verfahren auf dem eigenen Inselportal. Suche den Bereich Umwelt oder elektronische Verwaltung.
Tiefe Links auf die einzelnen Verfahren geben wir hier bewusst nicht an. Diese Pfade ändern sich, sobald ein Inselrat seine Website neu baut, und ein toter Link ist schlechter als gar keiner. Das Portal des Inselrats ist der stabile Einstieg.
Der Teil, den fast alle überspringen: das Datenblatt des Platzes
Das ist der Hinweis, der die meisten Enttäuschungen verhindert.
Jeder Zeltplatz hat sein eigenes Datenblatt, und die Bedingungen sind nicht überall gleich. Es unterscheiden sich die Kapazität, die Zufahrt, ob Wohnmobile erlaubt sind oder nur Zelte, ob es Wasser gibt, ob es zugelassene Grillstellen gibt und unter welchen Bedingungen, und ob in der Waldbrandsaison zusätzliche Einschränkungen gelten.
Auf demselben Datenblatt stehen auch die konkreten Fristen und der Kalender mit den freien Terminen. Es ganz zu lesen dauert zwei Minuten und beantwortet fast alles.
Und eines hängt nicht vom Datenblatt ab: Im Sommer und bei hoher Waldbrandgefahr können die Inselräte Plätze sperren oder Feuer verbieten, oft kurzfristig. Wenn dein Plan Kochen vorsieht, prüfe es am selben Tag.
Vier Dinge zum Gelände, bevor du hinauffährst
Nichts davon steht im Antrag, aber es entscheidet über die Nacht.
Die Höhe. Viele Plätze liegen über tausend Metern. Der Temperaturunterschied zur Küste ist nachts groß und überrascht auch im Sommer.
Der Nebel. An den Nordhängen kann das Wolkenmeer alles feucht hinterlassen, ohne dass ein Tropfen fällt.
Das Auto. Manche Plätze haben den Parkplatz daneben, bei anderen läufst du ein gutes Stück. Das ändert einiges daran, was du mitnehmen kannst.
Der Müll. Der kommt vollständig wieder mit runter. Das ist kein Spruch: Auf vielen dieser Plätze gibt es keine Abfuhr.
Wenn du eigentlich einen Campingplatz mit Rezeption, Duschen und Parzelle suchst, ist das etwas anderes, und das gibt es auf den Inseln ebenfalls. Das Zeltplatznetz der Inselräte ist das nicht, und das sollte man wissen, bevor man mit der Familie hinauffährt.
Was in jenen Tagen in deiner Nähe sonst noch läuft, steht in der Agenda, und wer die Reise in den Kalender einpasst, findet unter Kanaren im September, was der Monat bringt.
Titelbild: ausgewiesener Zeltplatz an der Playa de Tasartico, Gran Canaria. Fotografie: Jarek Prokop, CC BY 3.0, Wikimedia Commons.


