Regenschleier ziehen über die Berge und Schluchten rund um den Roque Bentaiga auf Gran Canaria
i24Esther•15. Oktober 2026

Starkregen auf den Kanaren: was du tun solltest und was die Warnungen bedeuten

An den meisten Tagen regnet es auf den Kanaren nicht, deshalb stellen sich nur wenige darauf ein. Wenn aber eine Regenfront kommt, kann in kurzer Zeit sehr viel Wasser herunterkommen, und das Wasser bleibt nicht dort, wo es gefallen ist: An den steilen Hängen und in den ausgetrockneten Flussbetten, den Barrancos, sammelt es sich und schießt talwärts. In diesem Artikel haben wir die offiziellen Tipps der Generaldirektion für Notfälle der Kanarenregierung (Dirección General de Emergencias) zusammengestellt und erklären dir, was die Warnungen bedeuten, die dir in solchen Fällen begegnen.

Die zwei wichtigsten Regeln, falls du nur so viel liest: Geh bei Starkregen nicht in einen Barranco, weder zum Wandern noch zum Zelten, und fahr nicht in Wasser, dessen Tiefe du nicht siehst. Wenn Wasser ins Auto läuft, lautet der offizielle Rat: Verlass es.

Wichtig: Die Warnungen können von Insel zu Insel und sogar innerhalb einer Insel unterschiedlich sein, und sie ändern sich innerhalb von Stunden. Was hier steht, beruht auf den Informationen der Kanarenregierung und des spanischen Wetterdienstes (AEMET), die im Oktober 2026 verfügbar waren. Schau am jeweiligen Tag immer nach der aktuellen offiziellen Warnung.

Selten Regen, aber dann richtig

Ein aktuelles Beispiel zeigt die Größenordnung. Am 1. Oktober 2026 gab die Kanarenregierung für den Norden und Osten von La Palma eine Regenwarnung heraus, und laut ihrer Pressemitteilung wurden in 12 Stunden bis zu 150 Millimeter Niederschlag erwartet, stellenweise über 180 Millimeter. Das sind bis zu 150 Liter Wasser pro Quadratmeter an einem einzigen halben Tag, stellenweise noch mehr.

Diese Warnung war kein Ausnahmefall. Im Warnverlauf der Regierung stehen für die ersten zehn Oktobertage 2026 drei Regenwarnungen: am 1. Oktober für La Palma (erst prealerta, dann alerta), am 6. und am 9. Oktober für mehrere Inseln (beide Male prealerta). Die Warnung vom 9. Oktober betraf Lanzarote, La Graciosa, Fuerteventura sowie die Nordhänge von Gran Canaria und Teneriffa.

Ein großer Teil der Gefahr kommt vom Gelände. Ein Barranco ist eine für die Inseln typische, tief eingeschnittene Erosionsrinne oder Schlucht. Den größten Teil des Jahres ist er trocken, oft führt ein Wanderweg hindurch, bei Starkregen ist er dagegen der natürliche Abfluss: Hier sammelt sich das Wasser von den Hängen. Unter den Tipps der Kanarenregierung steht deshalb: Zelte nie an Stellen, die überflutet werden können, zum Beispiel im Bett eines Barrancos, auch nicht im Sommer.

Zwei Warnsysteme, zwei Namen

Wenn Regen angesagt ist, können dir zwei Arten von Warnungen begegnen, und es lohnt sich zu wissen, dass sie nicht dasselbe bedeuten.

Die Farben der AEMET zeigen die Vorhersage: wie gefährlich das erwartete Wetter ist. Die AEMET verwendet drei Stufen und gibt zu jeder auch eine Empfehlung:

  • Gelb: Die Gefahr ist gering, aber an gefährdeten Stellen kann es Schäden geben. Die Empfehlung: Sei aufmerksam und verfolge die aktuelle Vorhersage.

  • Orange: Die Gefahr ist erheblich, auch schwere Schäden sind möglich. Die Empfehlung: Sei vorbereitet, triff Vorsichtsmaßnahmen und verfolge die aktuelle Vorhersage.

  • Rot: Die Gefahr ist außergewöhnlich. Die Empfehlung: Triff vorbeugende Maßnahmen, handle nach den Anweisungen der Behörden und reise nicht, außer wenn es unbedingt nötig ist.

Die Stufen der Kanarenregierung sind dagegen offizielle Notfallstufen. Die Dirección General de Emergencias ruft sie auf Grundlage der AEMET-Vorhersage und anderer Quellen aus, nach dem kanarischen Notfallplan für widrige Wetterlagen (PEFMA). Im Warnverlauf tauchen drei Namen auf, nach Schwere aufsteigend: prealerta (Vorwarnung), alerta (Warnung) und alerta máxima (höchste Warnstufe).

Die Stufe kann sich innerhalb eines Tages ändern. Im Fall La Palma vom 1. Oktober rief die Regierung morgens um 8:30 Uhr die prealerta aus, erhöhte um 14:15 Uhr auf alerta und hob die Warnung am nächsten Tag um 11:00 Uhr auf. Wer morgens nachgesehen hat, sah etwas ganz anderes als jemand am Nachmittag.

Wenn du eine Wanderung geplant hast

Starkregen trifft Wanderer am schnellsten. Auf Wegen, die durch Barrancos führen, kommt das Wasser schnell an, und auf den Bergstraßen können Steine und Erde abrutschen.

Auf Teneriffa ordnete der Cabildo (die Inselregierung) im März 2026, während des Sturmtiefs Therese, laut Pressebericht auf Grundlage seines eigenen Insel-Notfallplans im Ballungsraum die höchste Stufe (alerta máxima) an, auf dem Rest der Insel galt die Stufe alerta. Der Teide-Nationalpark wurde geräumt, und das Betreten der Wanderwege, Forstwege und Rastplätze wurde verboten. Die Barrancos in Santa Cruz (Santos, El Hierro, El Bufadero) wurden laufend überwacht, weil ihre Wassermenge stark angestiegen war.

In der Praxis heißt das:

  • Brich bei einer Regenwarnung zu keiner Barranco-Wanderung auf, auch dann nicht, wenn es dort, wo du gerade bist, nicht regnet. Der Barranco sammelt das Wasser der Hänge über ihm.

  • Prüf am Tag der Wanderung, ob der Weg oder die Zufahrtsstraße gesperrt ist.

  • Wenn das Wasser im Bett zu steigen beginnt, gilt auch hier der Grundsatz der offiziellen Tipps: Geh auf höher gelegenes Gelände und lauf nicht im Bett weiter.

Zur Masca-Schlucht, einer der bekanntesten Barranco-Wanderungen Teneriffas, haben wir einen eigenen Guide: Barranco de Masca: Guide zum Dorf, zur Route und zur Reservierung. Wenn du die Wegzeichen verstehen willst: GR, PR und SL: die Markierungen kanarischer Wanderwege lesen.

Wenn du mit dem Auto unterwegs bist

Die Kanarenregierung rät, bei Starkregen möglichst nicht Auto zu fahren. Wenn es doch sein muss:

  • Achte genau auf die Höhe des Wassers, fahr langsamer und prüf die Bremsen.

  • Fahr möglichst auf Hauptstraßen und Autobahnen, meide Forstpisten und Nebenstraßen, und nutze einen niedrigen Gang.

  • Fahr nicht über eine Brücke, über die das Wasser schwappt.

  • Wenn Wasser ins Auto läuft, verlässt du es besser.

Der offizielle Rat geht auch auf den Fall ein, dass du durch strömendes Wasser musst: Dann sollst du dir ein Seil um die Taille binden, dessen anderes Ende an einem festen oder schweren Gegenstand befestigt ist. Das zeigt zugleich, wie ernst strömendes Wasser zu nehmen ist: Wenn du in so einer Lage keinen Grund hast, hindurchzugehen, dann lass es.

Wenn es dich in der Unterkunft oder zu Hause erwischt

  • Wenn deine Unterkunft nicht im Bett eines Barrancos oder an einer gefährlichen Stelle liegt, bleib nach Möglichkeit drinnen.

  • Geh nicht in Räume, die überflutet werden können, etwa in die Garage oder den Keller.

  • Benutz nicht den Aufzug, denn der Strom kann jederzeit ausfallen. Schalte den Strom ab.

  • Achte darauf, dass keine giftigen oder brennbaren Stoffe ins Wasser gelangen.

  • Wenn nötig, zögere nicht, das Gebäude zu verlassen: Geh auf höher gelegenes Gelände oder dorthin, wohin die Behörden die Bewohner schicken.

  • Wenn dich das Wasser im oberen Teil des Gebäudes einschließt, versuch nicht, hinauszuschwimmen, denn die Strömung kann dich mitreißen. Warte besser auf Hilfe.

Auch nach dem Notfall gelten ein paar Regeln: Geh erst zurück, wenn Fachleute sagen, dass es sicher ist, zünde beim Betreten keine Streichhölzer an und benutze keine Geräte, die Funken schlagen können, auch keinen Lichtschalter, und trink nur Wasser aus Flaschen.

112 oder 012

Die Kanarenregierung bittet ausdrücklich darum, die 112 nur im Notfall zu wählen. Wenn du Informationen brauchst, zum Beispiel zu einer Sperrung oder einer Warnung, ist dafür die Infoleitung der Kanarenregierung da, die 012.

Wo du die offiziellen Infos findest

  • Die Warnungen der Kanarenregierung: Auf der Warnseite der Dirección General de Emergencias (Historial de Alertas) siehst du die ausgerufenen und auch die aufgehobenen Warnungen, mit Uhrzeit und betroffenem Gebiet.

  • Die Hinweise der AEMET: Auf der Seite Meteoalerta siehst du nach Inseln und Zonen die gelben, orangen und roten Warnungen.

  • Die lokalen Medien: Laut dem Rat der Regierung solltest du vor Starkregen verfolgen, welche Anweisungen über die Medien verbreitet werden.

Wenn auch das Meer stürmisch ist, liest du hier mehr zur Küstenwarnung: Küstenwarnung auf den Kanaren: was sie bedeutet und wie man sich verhält. Und zum Saharastaub, der Calima, hier: Calima auf den Kanaren: was zu tun ist, wenn der Himmel gelb wird. Unser allgemeiner Wetter-Guide: Die Inseln des ewigen Frühlings? Der komplette Wetter-Guide für die Kanarischen Inseln, die Sicherheitshinweise Insel für Insel: Sicherheit auf den Kanaren, Insel für Insel: das Meer, Wanderwege mit Reservierung und die neuen Verkehrsregeln. Wenn deine Reise noch bevorsteht: Brauche ich eine Reiseversicherung für die Kanaren?.


Quellen: Gobierno de Canarias, Dirección General de Emergencias: Consejos Lluvias (Selbstschutz-Tipps bei Starkregen), der Warnverlauf (Historial de Alertas) und die Seiten zu den Regenwarnungen vom 1. und vom 9. Oktober 2026; Gobierno de Canarias, Pressemitteilung zur Regenwarnung auf La Palma (1. Oktober 2026); AEMET, Meteoalerta, Erklärung der Warnstufen; Diario de Avisos, Bericht über die auf Teneriffa während des Sturmtiefs Therese angeordneten Maßnahmen (24. März 2026).

Titelbild (zugeschnitten): Regen über dem Roque Bentaiga, Gran Canaria. Tony Hisgett, CC BY 2.0, über Wikimedia Commons.

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